Mittwoch, 5. Dezember 2012

Was im Leben wirklich zählt ...

Gestern konnte man beim ZDF in der Sendung 37 Grad einen sehr beeindruckenden Beitrag verfolgen, über Philippe Pozzo di Borgo, den "echten" Protagonisten aus dem Film "Ziemlich beste Freunde" ...


Auf den ersten Blick ist Philippe Pozzo di Borgo ein Mann, der zunächst alles im Leben hatte, um dann durch einen tragischen Unfall, mit 41 Jahren, alles wieder zu verlieren. Was für ein schreckliches Schicksal dieser Mann erleiden musste - so schießt es mir unweigerlich durch den Kopf. Und doch drängt sich mir am Ende des Beitrages die Frage auf, ob sein Leben durch die Wendung die es genommen hat, letztlich nicht besser, im Sinne von ihm selbst entsprechender verlaufen ist, als wenn es diesen Einschnitt für ihn nie gegeben hätte.

Den Tag, an dem er den Unfall erlitt, nachdem er vom Hals bis zu den Zehen gelähmt ist, beschreibt Philippe Pozzo di Borgo als einen emotionalen Ausnahmezustand. Damit meint er allerdings das, was ihn vor dem Unfall beschäftigte - und da ging es um Geschäfte, Geld, Entlassungen und Managemententscheidungen. All das belastete ihn so sehr, dass er - wie er selbst sagt - diesen fatalen Gleitschirmflug, der zu dem Unfall führte, gar nicht erst hätte antreten dürfen. Dennoch tat er es und katapultierte sich damit in ein völlig anderes Leben, in dem aus dem ehemaligen Manager ein Mensch wurde, der rund um die Uhr auf die Hilfe anderer angewiesen ist.

Und wieder denke ich - wie schrecklich - und stelle mir selbst die Frage, ob ich so tatsächlich leben wollte und könnte. Philippe Pozzo di Borgo berichtet weiter. - Davon wie seine Frau Beatrice ihn zurück ins Leben holt, allein dadurch, dass sie drei Monate an seinem Bett verbringt und mit ihm spricht. Doch hier wartet bereits der nächste Schicksalsschlag. Seine große Liebe Beatrice verstirbt zwei Jahre nach seinem tragischen Unfall, an Krebs. Philippe Pozzo di Borgo fällt in eine tiefe Depression und lernt in dieser Phase, wie im Film beschrieben, seinen heutigen Freund Abdel kennen.

Von Abdel erzählt er, dass dieser ihn aus seiner Depression befreite, indem er einfach nur da war und wartete. Und es wird deutlich, dass Hilfe nicht unbedingt ein aktiver Akt sein muß, sondern sich durchaus auch vollkommen passiv vollziehen kann. Abdel wartet 6 Monate - eine ganz schön lange Zeit, die viel Geduld erfordert. Er ist einfach nur da und bringt damit zum Ausdruck: "Ich bin da, wenn Du mich brauchst!"

Philippe Pozzo di Borgo kehrt abermals zurück ins Leben. Aber er hat sich verändert. Seine Sichtweisen, seine Prioritäten, alles hat sich verändert. Für mich als Zuschauer macht es den Eindruck, als sei aus einem vormals sicherlich klugen und gebildeten Mann ein weiser Mann geworden, der unendlich viel zu sagen und zu geben hat. Und auf einmal steht nicht mehr seine dennoch offensichtliche körperliche Hilflosigkeit im Vordergrund, sondern vielmehr diese tiefgründige Weisheit und Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens.

Philippe Pozzo di Borgo erklärt, dass nicht der Unfall sein Unglück ist, sondern der Verlust seiner Frau Beatrice. Dennoch wendet er sich bewusst dem Leben zu und bejaht es mit allem was er tut. Zwar beteuert er auch sein "erstes" Leben, das vor dem Unfall, geliebt zu haben, bezeichnet es aber dennoch als Sackgasse, die ihn zu nichts geführt hätte.

Erst in der Stille, nach dem Unfall hätte er sich wiedergefunden, sei er auf seine innere Stimme aufmerksam geworden. Dies sei die Stimme des Kindes, das er einmal gewesen sei und die stellvertretend für sein wahres "Ich" steht. Diese Stimme sei einfach, vor allem aber authentisch und stehe für die Person, die er einmal war und die er sein sollte. In der lärmenden geschäftigen Welt ginge diese Stimme verloren, aber in der Stille könnte man sie wieder wahrnehmen - und damit sich selbst finden. Fünf Minuten Stille am Tag seien bereits eine gute Therapie, um sich selbst wieder näher zu kommen, um authentischer zu sein und seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend zu leben. Fünf Minuten Stille am Tag! - Ist das wirklich so selten geworden?

Philippe Pozzo di Borgo aber hat noch mehr Erkenntnisse zu vermitteln. Er rät dazu behinderte Menschen mehr in die Mitte unserer Gesellschaft zu rücken, - jedoch weniger zu deren Wohl, als vielmehr zu unserem Wohl. Denn die Achtsamkeit und der Gemeinschaftssinn von behinderten Menschen würde diese Gesellschaft, die so aggressiv geworden ist, enorm bereichern können.

Philippe Pozzo di Borgo kann sich selbst nicht mehr bewegen und dennoch hat er es sich zur Aufgabe gemacht "etwas zu bewegen", für die Menschen, die im Schatten unserer Gesellschaft stehen. Er steht auf dem Standpunkt, dass wir alle auf dieser Welt sind um "etwas" beizutragen. Deshalb gibt er seine - wie ich finde wertvollen - Erfahrungen weiter. Er liebt die Menschen und sagt: "Im Blick des Anderen fühle ich, dass ich lebe!" Es sei die Crux unserer Gesellschaft, lieber vor dem Spiegel zu stehen und sich selbst zu betrachten, anstatt sich in der Begegnung mit dem Anderen zu finden.

Philippe Pozzo di Borgo bezeichnet sein Leben, nach seinem Unfall als Wiedergeburt, als zweiten Atem, und die authentische Begegnung mit anderen Menschen als das größte Glück!

Er bereut nichts, denn Bereuen hieße, sich gegen das Leben zu richten - er aber möchte das Leben bejahen, mit allem was es zu geben hat und das scheint, wenn man sich die Ruhe (Stille) und die Zeit nimmt die richtigen Prioritäten zu setzen, sehr viel (Gutes) zu sein!

Sein Rat für ein glückliches Leben: "Finde Dich selbst, aber tue es bitte ohne Unfall!"



 Neubeginn
Alles wird neu.
Das kann es nicht.

Aber alles wird anders.
Das kann gelingen.

Wenn ich zurück gehe,
zu meinen Träumen,
meine Kinderaugen wieder öffne,
und die Augen meiner Prägung fest verschließe.

Wenn ich dieses mal meinen Weg gehe.
So, wie mein ursprüngliches "Ich" ihn gehen wollte,
und nicht, wie ich ihn zu gehen gelernt habe.

Wenn ich meinen Emotionen folge,
und mich auf meine Intuitionen verlasse,
dann - wird alles anders.

Dann - wird mein Leben mir entsprechen,
und ich werde ihm entsprechen.

Wir werden eins sein,
werden uns glücklich und zufrieden machen.

Denn dann - bin ich endlich wieder Ich!
(Monika I. Köppel)


Monika Köppel

Für alle, die den Betrag nicht gesehen haben, dies aber nachholen möchten:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1788540/Ziemlich-beste-Freunde#/beitrag/video/1788540/Ziemlich-beste-Freunde

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