Dienstag, 26. Februar 2013

Das Ende ist mein Anfang

"Man darf die modernen Gesellschaften - das kann man gar nicht oft genug wiederholen - nicht nur nach der Effizienz ihrer Wirtschaftsstrukturen beurteilen; man muss sich vor allem den Menschen ansehen, den sie hervorbringen, und das Leben, das er führt. Was zählt, ist doch das Leben! (Terzani 2008, S. 241)"


Lust auf ein gutes Buch? Dann hätte ich hier was für Euch ...

Eine Hymne auf die Möglichkeit zu sein, was Du willst

Kurz vor seinem Tod philosophiert Tiziano Terzani (der lange Jahre als Journalist für den Spiegel tätig war) gemeinsam mit seinem Sohn Folco über sein Leben und seine Erfahrungen, die er im Laufe dieses so reichhaltigen Lebens sammeln durfte. Damit offenbart er uns Weisheiten und Tiefgründigkeiten, wie sie eben nur die Ausnahmefälle in unserem Leben hervorzubringen vermögen. Ein Buch, welches man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte.
Der Spiegel selbst schreibt dazu: "Ein wunderbares Gespräch über das Wagnis der Freiheit, über Mut, Liebe, Krankheit und Trauer, über die Vergänglichkeit, Momente der Schönheit und darüber, wie man lernt loszulassen."

Über das Leben selbst ... und die Freiheit es nach seinem eigenen Willen zu gestalten ...
"Wenn du in einer europäischen Stadt geboren wirst und aufwächst, wenn du in eine westliche Schule gehst, wo es vor allem darauf ankommt, mit deinem Banknachbarn zu konkurrieren, wie sollst du da geistige Offenheit entwickeln? Wenn Du nicht angeregt wirst zu lernen, um das Leben zu begreifen, sondern nur, um einen Beruf zu erwerben und Geld zu verdienen?
Aber auch hier (...) gibt es Menschen (...), die nicht sagen: "Stoppt die Welt, ich will aussteigen", sondern die selbst einhalten, aus dem Zug aus- und in einen anderen einsteigen, wo sie womöglich eine wunderbare Tradition und auch ein paar Antworten finden." (S. 328-329) 
"Leute, die mit ihrem Leben beweisen, dass man auch anders sein kann." (S. 342)

Über die Schranken und Grenzen in unseren Köpfen ...
"Nur gibt es das heute kaum noch. Das ist das verdammte Problem mit der Freiheit. Nie zuvor sind wir so unfrei gewesen wie heute, obwohl unsere Freiheit scheinbar grenzenlos ist. (...) Denn alles ist bereits vorgesehen, alles ist geregelt, und auszuscheren ist nicht leicht und führt zu Konflikten. (...) Der Mensch von heute ist der Wirtschaft hörig. Sein ganzes Leben ist von ihr beherrscht. (...) Das große Thema der nächsten Zeit (wird) sein: die Rebellion dagegen, dass die Wirtschaft unser Leben bestimmt, der Kampf um eine neue Form der Spiritualität ..." (S. 342)

Über Notwendigkeiten ...
"Was wir brauchen, ist ein (...) Überdenken alter Muster, ein allgemeines Erwachen. Und das hat etwas mit Wahrheit zu tun, etwas, worum sich heute keiner mehr schert." (S. 344)

Über Möglichkeiten ...
"Ich glaube, die Lösung ist, an sich selbst zu arbeiten. Wirst du selber besser, machst du etwas aus dir, wirst du dir bewusst, wie sinnlos alles andere ist, dann kannst du womöglich den Grundstein für etwas Großes legen, etwas, was ich für wesentlich halte: die Evolution des Menschen auf eine höhere Stufe." (S. 356)

Über das Loslassen ...
Denn deine Identität - ob sie nun physischer oder psychischer Natur ist oder auch nur aus deinem Namen besteht - schränkt dich ein, nimmt dir die Möglichkeit, etwas anderes zu sein. (...) Es gibt keine Beständigkeit. Nichts im Leben ist beständig, nichts. (...) Manchmal ist es notwendig, etwas zu riskieren und etwas anderes zu tun. Manchmal muss man auf Sicherheiten verzichten, denn sie konditionieren zugleich. (...) Jede Sicherheit ist eine Konditionierung, eine Einschränkung. (...) Doch ich bin überzeugt, dass es immer einen Mittelweg gibt. Man braucht weder auf alles zu verzichten, noch alles zu wollen. Hauptsache, man ist sich bewusst, was man tut und welche Kompromisse man eingeht." (S. 360-385)

Und das, was ewig ist ...
"Ich möchte meine Botschaft als Hymne auf die Eigenständigkeit verstanden wissen; auf die Möglichkeit zu sein, was du willst. (...) Sein eigenes Leben zu leben. Ein wahres Leben, das dir gehört. Ein Leben, in dem du dich erkennst. (...) Halt hin und wieder ein! Halt ein und lass dich vom Staunen über die Welt ergreifen. (...) Setz dich eine Viertelstunde hin und horch auf die Stille. Hör ihr zu, versuch, sie zu spüren!" (S. 385-395)

"Das Leben findet jetzt statt, in diesem Moment, und in diesem Moment will es gelebt werden."

Tiziano Terzani (2008): Das Ende ist mein Anfang. Goldmann Verlag

Viel Spass beim Lesen!
Monika Köppel

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