Donnerstag, 15. November 2012

Helfen - eine einseitige Sache?!

"Anderen helfen? Mir hilft ja auch keiner und überhaupt ich bekomme ja noch nicht einmal etwas dafür!" - So denken sicherlich viele Menschen und bringen sich so um Erfahrungen, die ihr Leben - durch die Hilfe für andere - nachhaltig bereichern könnten.


Jedes Jahr, im November, kommt mich mein alter Studienkollege Ricardo Schlegel aus Argentinien / Buenos Aires besuchen.

Er arbeitet dort für eine Organisation namens IERP und koordiniert den Austausch von Langzeitfreiwilligen (Programa de Voluntariado), die aus Deutschland für ein Jahr nach Argentinien gehen, um dort in den unterschiedlichsten Projekten Menschen in Not ihre Hilfe anzubieten.

http://www.aktiv-zivil.de/index.php?argentinien

Ricardo betreut diese Freiwilligen auch vor Ort und begleitet sie durch ihr freiwilliges Jahr. Zumeist handelt es sich dabei um "junge Erwachsene", die gerade ihre Schule beendet haben und "frisch" aus ihrem "behüteten Zuhause" alles Gewohnte verlassen, um in einem fremden Land, einer anderen Kultur und einer fremden Sprache anderen Menschen zu helfen.

Ganz schön heroisch und altruistisch könnte man meinen, aber wenn ich Ricardo so erzählen höre, dann bin ich mir manchmal gar nicht so sicher, wer nun mehr von dieser Zeit profitiert? Die denen geholfen wird oder vielleicht doch eher die Helfer selbst? Ich glaube, dass hier die Grenzen stark verschwimmen und dass es letztlich tatsächlich zu einer so genannten Win-Win-Situation kommt.

Menschen in Not, die auf diese Weise Hilfe erfahren, werden sicherlich durch eine solche Erfahrung nachhaltig geprägt. - "Ich bin nicht alleine, es ist nicht egal was mit mir passiert, da ist jemand der mir seine Hilfe anbietet, endlich bekomme ich eine Chance in dieser Gesellschaft." - Ok, das kann jeder nachvollziehen. Aber wie sieht es mit den Helfenden aus? Gehen sie wirklich leer aus, bei dieser Sache? Handelt es sich hierbei um eine einseitige Angelegenheit in der Menschen ein komplettes Jahr ihrer Lebenszeit opfern, vielleicht ein wichtiges Jahr an der sie in Deutschland ihre eigene Karriere aufbauen und damit ihre soziale Stellung innerhalb unserer Gesellschaft manifestieren könnten? - Oberflächlich betrachtet mag man zu dieser Ansicht gelangen, aber ich denke damit wird man dieser Interaktion - und Interaktionen sind immer beidseitig ausgerichtet - nicht gerecht.

Vieles in unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft ist (für viele) selbstverständlich - das teure Handy, die Markenkleidung,  genügend Taschengeld, vor allem aber auch Dinge des alltäglichen Lebens wie Essen (im Überfluss), Bildung, ein vernünftiges Dach über dem Kopf usw. usw.

Natürlich gibt es auch bei uns Ungleichheit und vieles was verbesserungswürdig ist, aber im Gegensatz zu vielen anderen Ländern klagen wir doch eher auf höherem Niveau. Von daher kann eine solche Zeit - in der man wirklich erleben kann, mit welchen Problemen andere Menschen fertig werden müssen - doch nur eine unglaubliche Bereicherung für das eigene Leben, die eigene Entwicklung und vor allem für die eigene Sicht auf das Leben sein! - Und so berichtet mir auch Ricardo immer wieder, welch ungeheure Entwicklung viele dieser Freiwilligen innerhalb dieser Zeit machen und wie glücklich auch er ist, daran teilhaben zu dürfen - wie bereichernd all das ist. Wenn ich dann dabei noch seine strahlenden Augen sehe, dann werde ich fast ein wenig neidisch und wünsche mir auch ein Teil davon sein.

Aber vielleicht gelingt mir das ja sogar, denn - mit etwas Glück - kommt mich bald eine dieser Freiwilligen besuchen und erzählt mir von ihren Erfahrungen und ich könnte wetten, ihre Augen werden dabei in ähnlicher Weise strahlen, wie Ricardos Augen. Ich bin ja insgeheim jetzt schon überzeugt davon, Helfen macht glücklich - und zwar beide Seiten!

Falls dieser Besuch zustande kommt, werde ich Euch natürlich davon berichten und Euch mit auf die Reise nehmen ... Vielleicht gibt es aber auch Leser, die ihre Erfahrungen wiedergeben und sie mit uns teilen können?
Ich jedenfalls bin ganz gespannt auf solche Berichte, sind sie doch der Beweis dafür, dass Helfen immer wechselseitig ausgerichtet ist ... und wenn es "nur" das gute Gefühl ist, was sich daraus ergibt!

Eine gute Zeit wünscht Euch
Monika Köppel

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